Technik

Kann eine Wärmepumpe auch kühlen? Der Kühlfunktion-Check

10 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert: 7.7.2026
Schema einer modernen Luft-Wasser-Wärmepumpe, die im Sommer Gebäude temperiert und kühlt.

Kann eine Wärmepumpe auch kühlen? Der Kühlfunktion-Check zeigt: Ja, viele moderne Wärmepumpen können im Sommer eine wertvolle Kühlfunktion übernehmen. Anders als klassische Klimaanlagen nutzen sie dafür reversible Kältekreisläufe oder die natürliche Kühle des Erdreichs bzw. Grundwassers, was je nach Methode sehr energieeffizient sein kann. Dieser Artikel analysiert die technischen Verfahren, Voraussetzungen und Betriebskosten.

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Grundlagen: Wie eine Wärmepumpe zum Kühlen eingesetzt wird

Die primäre Funktion einer Wärmepumpe ist das Heizen von Gebäuden durch die Aufnahme von Umweltenergie. Viele moderne Geräte verfügen jedoch über eine zusätzliche, reversible Betriebsart, die eine Kühlung der Räume im Sommer ermöglicht. Technisch wird dies durch die Umkehrung des Kältekreislaufs realisiert. Während im Heizbetrieb Wärme von außen (Luft, Erdreich, Grundwasser) aufgenommen und an das Heizsystem im Inneren abgegeben wird, funktioniert der Kühlbetrieb genau umgekehrt: Die Wärmepumpe entzieht den Wohnräumen Wärme und gibt diese an die Umgebung ab. Das Haus wird somit effektiv gekühlt.

Zentrales Bauteil für diese Funktionsumkehr ist ein sogenanntes 4-Wege-Umschaltventil. Dieses Ventil ändert die Fließrichtung des Kältemittels im Kreislauf. Der Verdampfer, der im Heizbetrieb die Umweltwärme aufnimmt, wird zum Kondensator und gibt Wärme an die Außenluft ab. Gleichzeitig wird der Kondensator, der sonst das Heizwasser erwärmt, zum Verdampfer, der dem Heizkreis Wärme entzieht und diesen somit abkühlt. Dieser Prozess ist die Basis für die sogenannte 'aktive Kühlung', die bei nahezu allen Wärmepumpentypen implementiert werden kann.

Eine entscheidende Voraussetzung für die Nutzung der Kühlfunktion ist das Wärmeabgabesystem im Gebäude. Konventionelle Heizkörper sind aufgrund ihrer geringen Fläche für die Kühlung ungeeignet. Effektiv und sinnvoll ist die Kühlung nur über Flächenheizsysteme wie Fußboden- oder Wandheizungen, da deren große Oberfläche die Kälte gleichmäßig und ohne Zugluft im Raum verteilt. Alternativ können spezielle Gebläsekonvektoren (Fan Coils) eingesetzt werden, die ähnlich wie eine Klimaanlage kalte Luft in den Raum einblasen und sich besonders für eine schnelle und leistungsstarke Kühlung eignen. Bei Flächenkühlungen muss zudem der Taupunkt überwacht werden, um Kondensatbildung auf dem Boden zu verhindern, was durch moderne Regelungstechnik geschieht.

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Aktive Kühlung: Die Wärmepumpe als vollwertige Klimaanlage

Die aktive Kühlung, auch als 'active cooling' bezeichnet, beschreibt den Prozess, bei dem der Kältekreislauf der Wärmepumpe durch den Einsatz des Kompressors vollständig umgekehrt wird. Diese Methode ist sowohl bei Luft-Wasser- als auch bei Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen technisch möglich. Hierbei arbeitet das Gerät im Prinzip wie ein riesiger Kühlschrank für das Haus: Das Kältemittel entzieht dem Heizungswasser über den Wärmeübertrager (nun Verdampfer) die Wärme, welche anschließend über den zweiten Wärmeübertrager (nun Kondensator) an die Umweltquelle (Außenluft, Erdreich) abgeführt wird. Dieser Prozess erfordert den Betrieb des Kompressors und verbraucht daher signifikant mehr Energie als die passive Kühlung.

Die Effizienz der aktiven Kühlung wird durch den 'Energy Efficiency Ratio' (EER) beschrieben. Dieser Wert gibt das Verhältnis von erzeugter Kälteleistung zu aufgenommener elektrischer Leistung an. Moderne Wärmepumpen erreichen hier EER-Werte zwischen 3 und 5. Das bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde (kWh) Strom drei bis fünf kWh Kälteleistung erzeugt werden können. Damit arbeiten sie in der Regel deutlich effizienter als mobile Monoblock-Klimageräte und sind in ihrer Effizienz mit hochwertigen Split-Klimaanlagen vergleichbar. Die erreichbare Kühlleistung ist hoch und ermöglicht eine Absenkung der Raumtemperatur um mehrere Grad Celsius, auch an sehr heißen Tagen.

Die Investitionsmehrkosten für eine reversibel ausgelegte Wärmepumpe sind moderat und liegen typischerweise im Bereich von 300 bis 800 Euro. Die Betriebskosten sind durch den Stromverbrauch des Kompressors und der Umwälzpumpen bestimmt. Je nach Nutzungsdauer und Intensität können sich die Stromkosten für die Kühlung auf 100 bis 350 Euro pro Saison summieren. Wichtig bei der Planung ist die Berücksichtigung des Kondensatanfalls. Da die Vorlauftemperaturen des Kühlwassers niedrig sind, kann Luftfeuchtigkeit an den kalten Oberflächen der Gebläsekonvektoren oder am Wärmeübertrager kondensieren. Dieses Kondensat muss über eine entsprechende Leitung sicher abgeführt werden, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden.

  • Kompressor läuft, um den Kältekreislauf aktiv umzukehren.
  • Erreicht hohe Kühlleistungen, vergleichbar mit einer Klimaanlage.
  • Anwendbar bei allen Wärmepumpenarten (Luft, Sole, Wasser).
  • Gute Effizienz mit einem EER (Energy Efficiency Ratio) von typischerweise 3 bis 5.
  • Kondensatbildung am Wärmeübertrager muss fachgerecht abgeleitet werden.
  • Ermöglicht eine deutliche Absenkung der Raumtemperatur um mehr als 5 °C.
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Passive Kühlung: Nahezu kostenlose Temperierung mit Erdwärme und Grundwasser

Die passive Kühlung, oft auch 'natural cooling' genannt, stellt die energieeffizienteste Methode zur Temperierung eines Gebäudes dar. Diese Technik ist ausschließlich Sole-Wasser- (Erdwärme) und Wasser-Wasser-Wärmepumpen (Grundwasser) vorbehalten, da sie auf die konstant niedrigen Temperaturen des Erdreichs oder des Grundwassers zurückgreift. Der entscheidende Vorteil: Der Kompressor der Wärmepumpe – der größte Stromverbraucher – bleibt während des gesamten Kühlvorgangs ausgeschaltet. Lediglich die Umwälzpumpen für den Sole- und den Heizkreis müssen laufen, um die Wärmeübertragung zu gewährleisten.

Der Prozess ist physikalisch einfach

Das durch die Flächenheizung im Haus aufgewärmte Heizungswasser (z. B. 22 °C) wird durch einen zusätzlichen Wärmeübertrager geleitet. Auf der anderen Seite des Wärmeübertragers zirkuliert die kühle Sole aus der Erdsonde (z. B. 10 °C) oder das Grundwasser. Das Heizungswasser gibt seine Wärme an die Sole bzw. das Grundwasser ab und fließt mit einer niedrigeren Temperatur (z. B. 18 °C) zurück in die Fußbodenheizung, um dort erneut Wärme aus dem Raum aufzunehmen. Die überschüssige Wärme aus dem Gebäude wird so direkt ins Erdreich oder Grundwasser abgeführt und 'entsorgt'.

Die Betriebskosten der passiven Kühlung sind außerordentlich gering. Da nur die beiden Umwälzpumpen arbeiten, liegt die elektrische Leistungsaufnahme typischerweise bei nur 100 bis 250 Watt. Pro Kilowatt erzeugter Kälteleistung werden oft nur 0,02 bis 0,05 kW an elektrischer Energie benötigt. Die Kühlleistung ist naturgemäß begrenzt und reicht für eine sanfte Temperierung des Gebäudes um etwa 3 bis 5 Kelvin aus. Ein positiver Nebeneffekt bei Erdsonden ist die Regeneration des Erdreichs: Die im Sommer eingebrachte Wärme hebt die Temperatur des Bodens leicht an, was die Effizienz der Wärmepumpe in der darauffolgenden Heizperiode verbessert.

  • Funktioniert nur mit Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen.
  • Der Kompressor bleibt ausgeschaltet, nur die Umwälzpumpen laufen.
  • Nutzt die natürliche Kühle des Erdreichs (ca. 7-12 °C) oder des Grundwassers.
  • Extrem energieeffizient und kostengünstig im Betrieb (ca. 20-60 Euro pro Saison).
  • Sanfte Temperierung (ca. 3-5 °C Absenkung), keine starke Abkühlung.
  • Positiver Nebeneffekt: Regeneration des Erdreichs für die nächste Heizperiode.
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Voraussetzungen, Kosten und Planung: Der Kühlfunktion-Check in der Praxis

Damit eine Wärmepumpe zur Kühlung genutzt werden kann, müssen mehrere technische und bauliche Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst muss das Wärmepumpenmodell selbst für den Kühlbetrieb ausgelegt sein, was in den technischen Datenblättern als 'reversibel' oder 'mit Kühlfunktion' deklariert ist. Die wichtigste Komponente ist jedoch das Wärmeabgabesystem. Eine Flächenheizung (Fußboden, Wand, Decke) ist ideal. Die Vorlauftemperatur im Kühlbetrieb darf den Taupunkt der Raumluft nicht unterschreiten, um Kondenswasserbildung zu verhindern. Gängige Systeme regeln die Vorlauftemperatur daher auf ca. 18-20 °C. Ein Taupunktwächter oder Feuchtigkeitssensor ist gemäß VDI 4640 Blatt 2 als Schutzmaßnahme dringend empfohlen.

Die Investitionskosten für die Kühlfunktion setzen sich aus zwei Teilen zusammen. Der Aufpreis für die reversible Ausführung der Wärmepumpe selbst ist mit ca. 300 bis 800 Euro überschaubar. Deutlich höhere Kosten können durch das Verteilsystem entstehen, falls keine Flächenheizung vorhanden ist. Die Nachrüstung von Gebläsekonvektoren schlägt mit etwa 500 bis 1.500 Euro pro Gerät inklusive Installation zu Buche. Die Betriebskosten variieren stark: Während die passive Kühlung oft mit weniger als 60 Euro pro Saison auskommt, kann die aktive Kühlung je nach Anlagengröße und Nutzung zu zusätzlichen Stromkosten von 100 bis über 350 Euro führen, was aber meist immer noch günstiger als der Betrieb mobiler Klimageräte ist.

Eine sorgfältige Planung ist unerlässlich. Die Auslegung der Wärmepumpe muss nicht nur die Heizlast des Gebäudes nach DIN EN 12831, sondern auch die Kühllast nach VDI 2078 berücksichtigen. Nur so kann sichergestellt werden, dass das System die gewünschte Kühlleistung erbringt, ohne über- oder unterdimensioniert zu sein. Eine professionelle hydraulische Einbindung und die korrekte Regelungstechnik sind entscheidend für einen effizienten und störungsfreien Betrieb. Die finale Antwort auf die Frage 'Kann eine Wärmepumpe auch kühlen? Der Kühlfunktion-Check' hängt also entscheidend von einer professionellen, ganzheitlichen Planung ab, die Heiz- und Kühllast von Anfang an berücksichtigt.

Hinsichtlich der staatlichen Förderung ist zu beachten, dass die Kühlfunktion selbst nicht explizit gefördert wird. Jedoch ist die Anschaffung der Wärmepumpe als hocheffizientes Heizsystem im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) förderfähig. Die Mehrkosten für die reversible Ausführung der Wärmepumpe sind Teil der förderfähigen Gesamtkosten, sodass sie indirekt mitgefördert werden. Voraussetzung ist, dass die Wärmepumpe die technischen Mindestanforderungen der BEG erfüllt und primär zum Heizen installiert wird, was in Deutschland die Regel ist.

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Häufige Fragen

Ist jede Wärmepumpe zum Kühlen geeignet?

Nein, nicht automatisch. Die Wärmepumpe muss herstellerseitig als 'reversibel' oder 'kühlfähig' ausgewiesen sein. Dies ist eine technische Eigenschaft, die beim Kauf explizit im Datenblatt geprüft werden muss. Ältere Modelle besitzen diese Funktion oft nicht.

Kann ich mit Heizkörpern und einer Wärmepumpe kühlen?

Nein, das ist in der Praxis nicht sinnvoll und technisch nicht zu empfehlen. Heizkörper haben eine zu kleine Oberfläche, um eine spürbare Kühlwirkung zu erzielen. Zudem besteht die große Gefahr von unkontrollierter Kondenswasserbildung, die zu Korrosion und Bauschäden führen kann.

Wie viel kühler wird es durch die Wärmepumpe?

Mit aktiver Kühlung sind Raumtemperaturabsenkungen von über 5 °C möglich, was der Leistung einer fest installierten Klimaanlage nahekommt. Die passive Kühlung bewirkt eine sanftere Temperierung und senkt die Raumtemperatur typischerweise um 3 bis 5 °C, was als sehr angenehm empfunden wird.

Ist das Kühlen mit Wärmepumpe teuer?

Die Betriebskosten hängen von der Methode ab. Passive Kühlung ist mit Stromkosten von oft unter 60 € pro Saison extrem günstig. Aktive Kühlung ist energieintensiver, aber dank hoher Effizienzwerte (EER) meist immer noch deutlich günstiger im Betrieb als mobile Klimageräte.

Muss die Kühlfunktion genehmigt werden?

Die Kühlfunktion an sich ist nicht genehmigungspflichtig. Die Installation der Wärmepumpe selbst, insbesondere bei Erdsonden- oder Grundwasseranlagen, unterliegt jedoch je nach Bundesland und Gemeinde behördlichen Genehmigungen, beispielsweise durch die untere Wasserbehörde.

Welches System ist besser: aktive oder passive Kühlung?

Das hängt von den Gegebenheiten ab. Passive Kühlung ist unschlagbar günstig im Betrieb, aber nur mit Erd- oder Grundwasserwärmepumpen möglich und bietet eine sanftere Kühlung. Aktive Kühlung bietet eine höhere Kühlleistung und ist auch mit Luft-Wasser-Wärmepumpen realisierbar, verbraucht aber mehr Strom.

Wärmepumpen-Check Redaktion
Zuletzt aktualisiert am 7.7.2026

Quellen & weiterführende Informationen

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